Uneigentlicher Grenzwert in einem Punkt

Was passiert, wenn Funktionen über alle Grenzen wachsen.

Bisher haben wir uns angesehen, was passiert, wenn wir uns einem bestimmten Punkt nähern und die Funktion einen festen endlichen Wert annimmt. Manchmal wachsen Funktionen über alle Grenzen. Hier setzen die uneigentlichen Grenzwerte an.

Uneigentlicher Grenzwert in einem Punkt

Intuition

Uneigentlicher Grenzwert Intuition

Stell dir eine undurchdringbare Decke vor, die extrem hoch im Raum hängt. Ein uneigentlicher Grenzwert gegen Unendlich entsteht, wenn der Funktionsgraph an einer bestimmten Stelle so steil ansteigt, dass er jede noch so hoch platzierte Decke durchbricht und ab einer gewissen Nähe zum Zentrum nicht mehr darunter zurückfällt.

Definition

Wenn eine Funktion an einer Stelle gegen Unendlich explodieren soll, muss jeder Versuch, sie durch eine Schranke nach oben zu begrenzen, scheitern. Die unausweichliche Konsequenz ist ein kleines Fenster um den Punkt herum, in dem sämtliche Funktionswerte diese künstliche Schranke überragen.

Beispiel

Uneigentlicher Grenzwert Beispiel

Nimm die Funktion f(x)=1x2f(x) = \frac{1}{x^2} an der Stelle x0=0x_0 = 0. Gib mir eine beliebige, sehr grosse Zahl M>0M > 0. Wenn wir das Intervall mit δ=1M\delta = \frac{1}{\sqrt{M}} festlegen, dann gilt für alle x0x \neq 0 mit x<δ|x| < \delta sofort x2<1Mx^2 < \frac{1}{M} und somit 1x2>M\frac{1}{x^2} > M. Die Funktion wächst um die Null herum über jede Grenze.

Gegenbeispiel

Uneigentlicher Grenzwert Gegenbeispiel

Betrachte f(x)=1xf(x) = \frac{1}{x} an der Stelle x0=0x_0 = 0. Von rechts wächst der Wert gegen \infty. Wenn wir uns der Null aber von links nähern, stürzt die Funktion ins Negative ab. Es gibt kein symmetrisches Fenster um die Null, in dem alle Werte auf beiden Seiten strikt oberhalb einer positiven Schranke MM liegen. Daher gibt es keinen uneigentlichen Grenzwert an der Stelle x0=0x_0 = 0.