Grenzwerte im Unendlichen bei Funktionen

Wie wir das Verhalten von Funktionen am Rand des Darstellbaren präzise fassen.

In diesem Beitrag schauen wir uns an, wie sich Funktionen verhalten, wenn wir auf der x-Achse immer weiter nach rechts oder links gehen. Oft strebt eine Funktion dabei einem festen Wert zu, auch wenn sie ihn vielleicht nie ganz erreicht. Wir wollen dieses Bild nun mathematisch wasserdicht machen.

Grenzwert einer Funktion im Unendlichen

Intuition

Limits At Infinity Intuition

Stell dir vor, du fliegst in einem Raumschiff entlang der x-Achse in Richtung Horizont. Je weiter du fliegst, desto enger wird der unsichtbare Tunnel um eine bestimmte Zielhöhe auf der y-Achse. Egal wie schmal ich diesen Tunnel wähle (das ist unser ε\varepsilon), du wirst ab einer bestimmten Distanz (das ist unser RR) für immer innerhalb dieses Tunnels bleiben. Ein Ausbrechen ist nicht mehr möglich.

Definition

Beispiel

Limits At Infinity Example

Betrachte die Funktion f(x)=1xf(x) = \frac{1}{x} für xx \to \infty. Wenn wir als Fehlertoleranz ε=0.1\varepsilon = 0.1 vorgeben, können wir die Schranke R=10R = 10 wählen. Für alle x>10x > 10 gilt dann sofort 1x0=1x<0.1|\frac{1}{x} - 0| = \frac{1}{x} < 0.1. Die Funktion konvergiert gegen den Grenzwert 00.

Gegenbeispiel

Die Sinusfunktion f(x)=sin(x)f(x) = \sin(x) hat keinen Grenzwert für xx \to \infty. Sie pendelt ewig zwischen 1-1 und 11 hin und her. Wenn wir eine Zielhöhe von L=0L=0 vermuten und einen Tunnel der Breite ε=0.1\varepsilon = 0.1 vorgeben, gibt es unabhängig von der Wahl von RR immer wieder x-Werte, bei denen die Funktion den Wert 11 oder 1-1 annimmt und somit den Tunnel verlässt.

Der Kern

Die formale Bedingung erzwingt, dass die Funktion ab einem bestimmten Punkt auf der x-Achse in einem beliebig schmalen Schlauch gefangen bleibt, was ein ewiges Oszillieren oder Weglaufen logisch ausschliesst. Das liefert uns einen eindeutigen Grenzwert.

Übungen

  1. Was passiert bei der Funktion f(x)=arctan(x)f(x) = \arctan(x) für xx \to \infty?

    • (a) Die Funktion wächst über alle Grenzen gegen \infty.
    • (b) Die Funktion konvergiert gegen π2\frac{\pi}{2}.
    • (c) Die Funktion oszilliert und hat keinen Grenzwert.
  2. Warum reicht es beim Gegenbeispiel f(x)=1xf(x) = \frac{1}{x} bei x0=0x_0 = 0 aus, nur die linke Seite zu betrachten, um die Definition 2.1 zu widerlegen?

    • (a) Weil die Definition eine Allquantifizierung über alle xx im δ\delta-Intervall fordert und ein einziges negatives f(x)f(x) die Aussage f(x)Mf(x) \ge M für positive MM zerstört.
    • (b) Weil x0=0x_0 = 0 nicht im Definitionsbereich liegt.
    • (c) Weil rechtsseitige Grenzwerte immer endlich sein müssen.