Monotonie, Konvexität und Extrema
Was die erste und zweite Ableitung über die Form des Graphen verraten.
Ableitungen steuern nicht nur lokale Linearisierung, sondern auch die globale Form des Graphen. Positives bedeutet Steigung nach oben, positives bedeutet Konvexität, und kritische Punkte sind Kandidaten für Extrema. Wir trennen dabei sauber, was notwendig und was hinreichend ist.
Monotonie
Intuition
Wenn die Tangente überall eine positive Steigung hat, kann der Graph nur nach oben laufen. Der Mittelwertsatz macht daraus eine präzise Aussage: zwischen zwei Punkten liegt immer eine Stelle, an der die Ableitung genau der Sekantensteigung entspricht.
Satz
Die Kernaussage
Für in liefert der Mittelwertsatz ein mit . Ist , so folgt . Bei folgt nur .
Beispiel
Für gilt überall. Die Exponentialfunktion ist streng wachsend auf .
Gegenbeispiel
Die Bedingung ist hinreichend, aber nicht notwendig für strenge Monotonie. Bei gilt und , trotzdem ist streng wachsend: aus folgt . Die schwache Ungleichung reicht hier für strenges Wachstum.
Konvexität
Intuition

Eine Funktion ist konvex, wenn ihr Graph zwischen zwei Punkten unter der Sekante durch diese Punkte bleibt. Anschaulich: die Sehne liegt oberhalb des Graphen. Konkavität ist das Spiegelbild: der Graph liegt über der Sekante.
Definition
Satz
Beispiel
Die Funktionen , , und (als lineare Funktion) sind konvex. Auch der punktweise Grenzwert auf ist konvex: er ist auf und bei , und der Graph bleibt unter jeder Sekante.
Gegenbeispiel
Bei wechselt bei null das Vorzeichen. Links von null ist konkav, rechts konvex. Der Punkt ist ein Wendepunkt: dort ändert sich die Krümmungsrichtung.
Extrema
Intuition

An einem lokalen Extremum im Inneren kann die Tangente nicht steil nach oben oder unten zeigen, sonst ginge es lokal noch weiter bergauf oder bergab. Also muss dort gelten, sofern die Ableitung existiert. Ob daraus wirklich ein Extremum wird, ist eine andere Frage. Und ob ein globales Extremum existiert, hängt stark vom Definitionsbereich ab: offene Ränder können Werte andeuten, die nie angenommen werden.
Satz
Ein lokales Maximum bei bedeutet: in einer Umgebung gilt . Ein globales Maximum auf dem Definitionsbereich bedeutet: für alle im Definitionsbereich. Analog für Minima.
Beispiel
Auf dem abgeschlossenen Intervall nimmt ihr globales Maximum bei an, denn genau dort, und am Rand sind die Werte kleiner. Kritischer Punkt und globales Extremum fallen zusammen.
Gegenbeispiel 1: kritischer Punkt ohne Extremum
Bei gilt , aber wechselt bei null nur die Steigung von flach zu wieder steigend, ohne zu fallen. Es gibt kein lokales Extremum bei null. Die Bedingung ist notwendig, aber nicht hinreichend.
Gegenbeispiel 2: offener Rand ohne Maximum

Ein globales Extremum existiert nur, wenn ein konkreter -Wert den Extremwert annimmt. Betrachte auf dem offenen Intervall . Die Funktion kommt dem Wert beliebig nahe, nimmt ihn aber nie an. Es gibt kein globales Maximum. In Skizzen entspricht das einem offenen Kreis am Rand: der Punkt gehört nicht zum Graphen.
Übungen
-
Sei auf . Welche Aussage ist korrekt?
- (a) ist streng fallend.
- (b) ist streng wachsend.
- (c) hat ein Extremum in .
- (d) existiert und ist positiv.
-
Welche der folgenden Funktionen ist auf konvex?
- (a)
- (b)
- (c)
- (d)
-
Sei und . Welche Aussage stimmt?
- (a) ist kritisches lokales Maximum.
- (b) ist kritischer Punkt, aber kein lokales Extremum.
- (c) ist kein kritischer Punkt.
- (d) hat bei ein globales Minimum.