Wie man durch geschicktes Ausklammern den Grenzwert von rationalen Folgen bestimmt.
Oft stehst du in der Analysis vor Brüchen, bei denen sowohl der Zähler als auch der Nenner mit wachsendem Index ins Unendliche streben. Wenn du den direkten Grenzwert bildest, stösst du auf einen unbestimmten Ausdruck, womit der direkte Weg blockiert ist.
Um das Problem des unbestimmten Ausdrucks zu lösen, klammern wir die höchste Potenz von n aus, die im Nenner vorkommt. Das Ziel dieser algebraischen Umformung ist es, Konstanten und echte Brüche zu erzeugen.
Wenn wir diese Nullfolgen durch das Ausklammern isolieren, können wir die Grenzwertsätze für Summen und Quotienten problemlos anwenden.
Wir betrachten den Ausdruck und identifizieren die höchste Potenz im Nenner. In diesem Fall ist das n3. Wir klammern nun n3 sowohl im Zähler als auch im Nenner aus.
an=n3(2+n24−n31)n3(5−n2+n37)
Da n gegen unendlich strebt und somit strikt positiv ist, dürfen wir den Faktor n3 wegkürzen.
an=2+n24−n315−n2+n37
Nun wenden wir den Limes für n→∞ auf den gesamten Bruch an. Gemäss den Grenzwertsätzen dürfen wir den Limes in den Zähler und Nenner ziehen, solange der Grenzwert des Nenners nicht null ist.
Der Grenzwert eines Bruchs von Polynomen wird ausschliesslich durch die Terme mit dem höchsten Exponenten bestimmt. Die restlichen Terme spielen für das Langzeitverhalten der Folge keine Rolle und verschwinden nach dem Ausklammern im Grenzwert vollständig.
Bestimme den Grenzwert der Folge bn=7n3−24n2+3n.
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Klammere die höchste Potenz des Nenners aus und vergleiche danach die verbleibenden Grade von Zähler und Nenner.
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Wir klammern n3 im Zähler und im Nenner aus:
bn=n3(7−n32)n3(n4+n23)
Nach dem Kürzen von n3 ergibt sich:
bn=7−n32n4+n23
Für n→∞ streben alle Terme mit n im Nenner gegen null:
n→∞limbn=7−00+0=0
Bestimme den Grenzwert der Folge cn=n+59n2+4.
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Klammere n2 unter der Wurzel aus, sodass beim Herausziehen ein Faktor n entsteht, der sich mit dem Nenner kürzen lässt.
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Wir klammern n2 unter der Wurzel und n im Nenner aus. Da n>0 gilt n2=n:
cn=n(1+n5)n2(9+n24)=n(1+n5)n9+n24
Der Faktor n kürzt sich heraus:
cn=1+n59+n24
Für n→∞ konvergieren die Bruchterme gegen null:
n→∞limcn=1+09+0=13=3
Bestimme das Verhalten der Folge dn=3n2+2nn4−1.
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Klammere die höchste Potenz des Nenners aus und beobachte, welche Potenz von n nach dem Kürzen im Zähler übrig bleibt.
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Wir klammern n4 im Zähler und n2 im Nenner aus:
dn=n2(3+n2)n4(1−n41)
Nach dem Kürzen von n2 verbleibt im Zähler ein freier Faktor n2:
dn=3+n2n2(1−n41)
Für n→∞ gilt (1−n41)→1 und (3+n2)→3. Der Zähler wächst jedoch wie n2 ohne Schranke, während der Nenner gegen 3 konvergiert:
n→∞limdn=+∞
Die Folge divergiert bestimmt gegen unendlich.
Bestimme den Grenzwert von xn=3n−4n4n+1
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Ähnlich wie bei den Polynomen: Was kann man hier ausklammern?
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Wir versuchen, einen gemeinsamen Faktor im Zähler und Nenner herauszuheben.
Zunächst schreiben wir den Zähler als 4n+1=4⋅4n:
xn=3n−4n4⋅4n
Nun klammern wir im Nenner 4n aus:
xn=3n−4n4⋅4n=4n(4n3n−1)4⋅4n=4n3n−14
Beachte, dass 4n3n=(43)n, und für n→∞ gilt (43)n→0, weil 43<1.
Also:
xn=(43)n−14
Für n→∞ verschwindet der erste Term im Nenner gegen 0: