Wie man komplexe Reihen durch den Vergleich mit simplen Bekannten auf Konvergenz prüft.
In diesem Beitrag betrachten wir das Grenzwertkriterium. Dieses hilft uns zu entscheiden, ob eine unübersichtliche Reihe konvergiert, indem wir ihr Verhalten für grosse n mit einer einfachen, uns bekannten Reihe vergleichen.
Um dieses Problem zu lösen, nutzen wir das Grenzwertkriterium. Das Argument einer Reihe wird dabei mit dem Argument einer ähnlichen, aber simpleren Reihe verglichen.
Allgemein kennt man das Konvergenzverhalten einer Reihe ∑bn. Dann betrachtet man eine Reihe ∑an und weil sie ungefähr so aussieht wie ∑bn, erwartet man, dass sie das gleiche Konvergenzverhalten haben.
Die Strategie ist hier konkret: Wir betrachten die dominierenden Terme für grosse n. Im Zähler dominiert n2, im Nenner dominiert n5. Das bedeutet, der Bruch verhält sich asymptotisch wie n5n2, was gekürzt n31 ergibt. Wir wählen also bn=n31 als unsere Vergleichsreihe.
Wir definieren zuerst unsere beiden Folgen. Die gegebene Folge ist:
an=n5+4n3−13n2−5n+2
Unsere Vergleichsfolge, abgeleitet aus den höchsten Potenzen, ist:
bn=n31
Nun berechnen wir den Grenzwert des Quotienten bnan für n→∞:
n→∞limbnan=n→∞lim(n5+4n3−13n2−5n+2⋅1n3)
Wir multiplizieren den Zähler aus:
n→∞limn5+4n3−13n5−5n4+2n3
Um den Grenzwert zu berechnen, klammern wir die höchste Potenz im Zähler und Nenner aus, in diesem Fall n5:
n→∞limn5(1+n24−n51)n5(3−n5+n22)
Die Terme n5 kürzen sich weg. Lassen wir nun n gegen Unendlich laufen, gehen alle Brüche mit n im Nenner gegen null:
1+0−03−0+0=3
Der Grenzwert c=3 liegt echt zwischen null und Unendlich. Das Grenzwertkriterium besagt somit, dass ∑an genau dann konvergiert, wenn ∑bn konvergiert.
Da n=1∑∞n31 eine p-Reihe mit p=3>1 ist, wissen wir, dass diese konvergiert. Folglich konvergiert auch unsere ursprüngliche Reihe.
Das Grenzwertkriterium zeigt formal, dass Terme mit niederen Potenzen das Langzeitverhalten eines Bruchs nicht beeinflussen und wir die Konvergenz allein durch den Vergleich der höchsten Potenzen verlässlich bestimmen können.
Untersuche die Reihe n=1∑∞n2−n+1n+1 auf Konvergenz.
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Finde die dominierenden Terme unter der Wurzel im Zähler und vergleiche sie mit der höchsten Potenz im Nenner.
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Wir setzen an=n2−n+1n+1. Der Zähler wächst wie n0.5, der Nenner wie n2. Wir wählen daher bn=n2n0.5=n1.51. Wir bilden den Quotienten:
n→∞limbnan=n→∞limn2−n+1n+1⋅n1.5
Ausmultiplizieren ergibt:
n→∞limn2−n+1n2+n1.5
Wir klammern n2 aus und kürzen:
n→∞lim1−n1+n211+n1=1−0+01+0=1
Da 0<1<∞ gilt und die Reihe n=1∑∞n1.51 als p-Reihe mit p=1.5>1 konvergiert, konvergiert nach dem Grenzwertkriterium auch unsere untersuchte Reihe.
Untersuche die Reihe n=1∑∞sin(n1) auf Konvergenz.
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Überlege dir, wie sich die Sinusfunktion verhält, wenn ihr Argument sehr klein wird.
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Für grosse n wird das Argument n1 sehr klein. Wir wissen aus der Analysis, dass sich sin(x) für kleine x fast identisch wie x verhält. Daher setzen wir an=sin(n1) und bn=n1. Wir berechnen den Grenzwert:
n→∞limn1sin(n1)
Mit der Substitution x=n1 folgt, dass x→0 für n→∞. Der Grenzwert wird zum bekannten Standardlimes:
x→0limxsin(x)=1
Da der Grenzwert c=1 im erlaubten Bereich liegt, haben beide Reihen das gleiche Konvergenzverhalten. Die harmonische Reihe n=1∑∞n1 divergiert. Nach dem Grenzwertkriterium divergiert somit auch die Reihe n=1∑∞sin(n1).
Untersuche die Reihe n=0∑∞3n5+n3−1n+1 auf Konvergenz.
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Bestimme das asymptotische Verhalten von Zähler und Nenner getrennt. Schreibe die Wurzeln als Potenzen und vergleiche die Exponenten.
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Wir setzen an=3n5+n3−1n+1. Im Zähler dominiert n+1≈n1/2, im Nenner dominiert 3n5=n5/3. Der Bruch verhält sich asymptotisch wie n5/3n1/2=n1/2−5/3=n−7/6. Wir wählen daher bn=n7/61 und berechnen:
n→∞limbnan=n→∞lim3n5+n3−1n+1⋅n7/6
Im Zähler klammern wir n1/2 aus, im Nenner n5/3:
n→∞limn5/3⋅31+n−2−n−5n1/2⋅1+n1⋅n7/6
Da 21+67=63+67=610=35 gilt, kürzen sich die Potenzen von n heraus:
n→∞lim31+n−2−n−51+n1=311=1
Da c=1 im erlaubten Bereich liegt und die Reihe n=0∑∞n7/61 eine p-Reihe mit p=67>1 ist, konvergiert sie. Nach dem Grenzwertkriterium konvergiert somit auch die untersuchte Reihe.